Charaktere erschaffen – 1 –

Jede Geschichte, ob nun kurz oder lang, hat seine Protagonisten. Gut so, sonst wäre die Geschichte ja recht langweilig, wenn sie nicht durch jemanden leben würde. Aber auch dieser Mensch sollte „spannende“ Eigenschaften und Merkmale besitzen, um den Leser ganz in den Bann zu ziehen. Mich hat noch nie eine Geschichte wirklich angesprochen, wenn die Figuren darin nicht wirklich glaubhaft dargestellt worden sind. Und darum geht es auch: Einen autenthischen Charakter erschaffen, der einem durch das ganze literarische Werk begleitet.

Meine Jahrgangsgeneration erinnert sich gerne an „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende zurück. Atreju, der am Ende noch immer daran zweifelt, die rettende Lösung gefunden zu haben: Ein Menschenkind, das er in seine Welt geführt hat. Aufgrund seiner Abenteuer, seiner Handlungen, seiner Emotionen – aufgrund seines Selbst.

Und jede/r, der schreibt, möchte dieses Phänomen wiederholen: Die Leserin oder den Leser zu erreichen, an sein Werk zu fesseln und ihn dadurch an einer Geschichte teilhaben zu lassen. Doch wie erschafft man sich seinen eigenen „Atreju“? Es gibt doch so viel, was einen Menschen ausmacht. Und so gibt es auch viele Ebenen, die bedacht werden sollen, wenn man sich eine Figur ausdenkt. Wichtig ist: Je besser du deine Charaktere kennst, desto leichter fällt es dir über diese Personen zu schreiben. Und um so leichter, wird diese Person einen in den Bann ziehen.

Ich habe mich beim skizzieren meiner Protagonisten sehr oft gefragt:

Wer bist du wirklich?

Wer steckt hinter deiner Fassade?

Und welche Masken trägst du, um dein Inneres zu verschleiern?


 

Folgende Punkte helfen, ein bisschen „Gott zu spielen“, um sich seine Personen zu erschaffen:

1. Die Optik

Oberflächlich gesehen, denkt man zuerst an das Äußere. Die Optik, die beschrieben werden sollte. Die Person ist groß/ klein/ schlank/ untersetzt/ … hat lange/ kurze Haare, blaue/ grüne/ braune Augen etc. Oft haben die Personen Merkmale, die ich selber sehr (an anderen oder an mir) schätze – oder eben auch nicht. Manchmal haben die Figuren all jene Eigenschaften, die ich an mir oder an anderen verachte. Je nach dem, welche Rolle diese Person spielen soll. Und vor allem denke ich darüber nach, dass diese Vorstellung zu der Rahmenhandlung der Geschichte passt. Diese vage Vorstellung wird gesammelt, aufgeschrieben und ergänzt:

  • Geschlecht
  • Größe
  • Gewichtlady_rhona_mcleod
  • Augen und Haarfarbe
  • Hautfarbe
  • Frisur (zeitlich an die Ära angepasst)
  • besondere körperliche Merkmale
  • bevorzugter Kleiderstil (zeitlich angepasst)
  • Stimmlage
  • Körperhaltung

Je genauer und umfangreicher die Sammlung ist, umso besser kannst du deine Person beschreiben. Umso besser kann sich der/die Lesende ein Bild von deinen ProtagonistInnen machen. Wer gut zeichnen kann, kann sich auch an die visuelle Umsetzung der Vorstellung machen.

 

Im nächsten Teil werde ich über  Charaktereigenschaften schreiben!