Die Brücke zwischen Phantasie und Realität

Die Ideen für ein literarisches Werk sind nun vorhanden, das Konzept und Grundgerüst soweit ausgearbeitet. Auch die Charakterprofile stehen. Jede Figur hat ihren unverkennbaren Charakterzug bekommen. Es wurde also ein ausführliches, wie umfassendes Bild von einer bestimmten Figur entworfen. Nun sitzt man vor dem Schreibprogramm und die Finger jucken. Die Worte im Kopf sprudeln nun so über, wie überschäumende Milch.

Und dann die Frage „Wie stelle ich es an?
Wie beschreibt man am besten die Bilder im Kopf? Und das auch noch so, dass sie glaubwürdig sind?

Nichts ist schlimmer, als etwas zu schreiben und damit keinen Film in andere Köpfe zaubern zu können.
Wenn die Szenen einfach nicht ausgefeilt genug sind oder nur vage beschreiben, was eigentlich detailliert im Kopf herum spukt.

Oftmals ist die Erfahrung, die beste Lehrmeisterin – heißt es. Doch wie ist das, wenn man jene Erfahrungen, über die man schreiben möchte, noch gar nicht erlebt hat? Oder auch gar nicht erleben möchte?

Hilfreich ist auf jeden Fall, sich genau vorzustellen, wie eine Szene ablaufen soll. Die Gedanken wie einen Kinofilm abspulen. Immer wieder von vorne und aus verschiedenen Blickwinkeln. Stell dir vor, du bist der Regisseur deines eigenen Buches.  Schritt für Schritt wird dein Werk verfilmt. Alle Regisseure stehen immer wieder vor der Aufgabe, den Film im Kopf auf die Leinwand zu bannen.

Wenn die Erfahrungen dazu fehlen, ist es oft gut, sich Filme anzusehen oder Bücher zu lesen, die vielleicht ähnliche Szenen beinhalten.

Mir ging es bei einigen Szenen im Buch nicht anders. Ich hatte Bücher gewälzt und ganze Filmmarathons hinter mir. Habe nachgedacht, analysiert, auf mein Konzept umgelegt … Nur um herauszufinden, wie man bestimmte Aktionen bestmöglich beschreiben konnte. Und dennoch fand ich nie das „Gelbe vom Ei“.

 

Also wie baut man sich nun eine Brücke aus der Phantasie in die Realität?

 

Selber machen! Szenen nachahmen. Freunde, Familie und Bekannte fragen, ob sie für eine Szene herhalten können.
Agieren und reagieren, testen und immer wieder herausfinden, wie die Menschen bestimmte Handlungen beeinflussen könnten.
Und vorallem herausfinden, was auf keinen Fall funktioniert, obwohl das Bild im Kopf so toll ausschaut.

Nicht weiter an „falschen“ Handlungen festhalten, auch wenn sie noch so gut klingen. Es wird immer jemanden geben, der mehr Ahnung hat und dann die ganze Szenerie anzweifeln wird. Schlimmstenfalls das ganze Buch. Und somit die Chance vertan ist, dass Der – oder Diejenige es mit Spannung weiterliest.

Ich habe so einige Szenen aus meinem Buch selber nachgespielt. Einfach um deren Glaubwürdigkeit zu testen. Denn nichts kann schlimmer sein, als einem Irrglauben zu unterliegen und diesen auch noch (schriftlich) weiterzuführen! Das Nachspielen hat mir die Freiheit gegeben, Irrwege zu verlassen und neue Pfade meiner Phantasie einzuschlagen. Dinge abzuwiegen, an die ich vorher nie gedacht habe. Und diese spielerischen Aktionen haben mir die Brücke in die Realität gebaut.

Nur Mut, probiert es aus.

C.R.